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Nachrichten

Hier finden sie aktuelle Nachrichten aus dem Dekanat Saarlouis.

Ältere Nachrichten finden sie in unserem Archiv: Nachrichten 2019

Nächster Schritt zur Umsetzung der Synodenergebnisse erfolgt lokal

Sondierung - Die Situation vor Ort im Blick

Saarlouis – Wie kann das kirchliche Leben in Zukunft gestaltet werden? Diese Frage stellt sich das Bistum Trier. Die Ergebnisse der Synode geben darauf Antworten und Hinweise. Um die daraus resultierende Veränderung und Neuorientierung umzusetzen, erfolgt nun ein weiterer Schritt: In einer Sondierungsphase wird die individuelle Situation der Pfarreien vor Ort in den Blick genommen von diözesanen und lokalen Sondierungsbeauftragten, die zur Zeit im künftigen Pastoralen Raum Saarlouis unterwegs sind.

"Wir bringen unser Wissen über die spezifische Situation der Orte, der unterschiedlichen Gruppen sowie Gremien ein“, erklärt Pastoralreferent Rolf Friedsam (Dekanat Saarlouis) aus dem Team, das von Bischof Dr. Stephan Ackermann mit der Sondierung beauftragt ist. Diesem Team gehören weiterhin an als lokal Beauftragte Gemeindereferentin Tanja Theobald (Pfarreiengemeinschaft Überherrn), Pastoralreferent Benedikt Achtermann (Dekanat Wadgassen) und die beiden diözesanen Beauftragten Alexandra Schmitt und Jörg Sonnet, die eine weitere Perspektive einbringen. „Als Team planen und leiten wir gemeinsam die Sondierungsphase mit Blick auf die lokalen Bedürfnisse“, betont Benedikt Achtermann die enge Zusammenarbeit zwischen den lokalen und diözesanen Beauftragten. Bis zum 30. Juni wird das Team zusammen mit weiteren Ehren- und Hauptamtlichen, die gemeinsam die Steuerungsgruppe für den Pastoralen Raum Saarlouis bilden, mit den hauptamtlichen pastoralen Mitarbeitenden und den Mitgliedern der Räte im Pastoralen Raum Saarlouis Gespräche führen.

„Bei der Sondierung geht es insbesondere darum, die Bedingungen für mögliche Zusammenschlüsse von Pfarreiengemeinschaften detailliert und umfassend zu betrachten“, erläutert Tanja Theobald. In den kommenden vier Jahren sollen sich die Pfarreien bzw. Kirchengemeinden auf der Ebene der heutigen Pfarreiengemeinschaften und darüber hinaus zu neuen Pfarreien zusammenschließen. „Wie gestaltet sich die personelle Situation in der Pfarrei? Gibt es Vakanzen im Bereich der Hauptamtlichen? Finden sich noch KandidatInnen für die Rätearbeit? Wie sieht der wirtschaftliche Rahmen, in dem sich die Kirchengemeinde (zukünftig) bewegen kann, aus?“, nennt Jörg Sonnet einige Fragen, die es zu stellen gilt.

Außerdem werden Pastorale Räume gebildet, die in ihrem Zuschnitt den ursprünglich geplanten „Pfarreien der Zukunft“ entsprechen. Die neuen Räume sollen helfen, die Vision der Synode von einer diakonischen und missionarischen Kirche umzusetzen, indem sie die Pfarreien unterstützen und für verbindliche Entwicklung sorgen.

So entsteht ein Überblick über die Schritte, die für die Entwicklung der Pfarreien und zur Gründung des Pastoralen Raumes notwendig sind. Für die Verantwortlichen vor Ort und die Bistumsleitung ergibt sich daraus eine Übersicht über den jeweiligen zeitlichen Rahmen, der den örtlichen Prozessen eingeräumt werden muss, und welchen Klärungs- und Begleitungsbedarf es auf dem Weg noch gibt. 

Weitere Informationen und Kontaktdaten: www.dekanat-saarlouis.de und www.dekanat-wadgassen.de.
Allgemeine und umfassende Informationen zur Sondierungsphase im Bistum Trier gibt es auf www.bistum-trier.de/heraus-gerufen/sondierungsphase/.  

Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar

Der 27. Januar wird in Deutschland seit 1996 als „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ begangen. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen erklärte den 27. Januar 2005 zum „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“.

Aufgrund der Corona-Pandemie ist in diesem Jahr leider keine Gedenkveranstaltung mit vielen Menschen an einem Ort möglich, wie sie im letzten Jahr in Saarlouis als Tagesveranstaltung unter Teilnahme von Menschen aus allen Generationen in der Evangelischen Kirche stattgefunden hat.

Daher haben sich der Ökumenische Arbeitskreis Saarlouis zusammen mit Lehrerinnen und Lehrern des Max-Planck-Gymnasiums und des Gymnasiums am Stadtgarten entschieden, das Gedenken 2021 in einer dezentralen Form durchzuführen. Mitglieder des Ökumenischen Arbeitskreises und der Kollegien der beiden Gymnasien werden einzeln oder zu zweit am Mittwoch, dem 27. Januar, im Laufe des Vormittags die Stolpersteine in Saarlouis und den Alten Friedhof als Gedenkorte aufsuchen. Dort wird der Personen aus Saarlouis gedacht, die Opfer des Nationalsozialismus geworden sind, und eine Blume niedergelegt.

Der Präsident der Deutschen Sektion der Internationalen Friedensbewegung Pax Christi, Peter Kohlgraf schreibt zu diesem Gedenktag: „... Auch wenn extreme Formen der Leugnung des Holocaust selten sind, ist doch erkennbar, dass auch im Spektrum politischer Parteien rechtsextreme, rassistische oder den Nationalsozialismus verharmlosende Positionen Platz finden. Daher ist Gedenken am 27. Januar nicht mehr nur Teil geschichtlicher Selbstvergewisserung, sondern auch Aufforderung zu einer kritischen Sicht auf die Zukunft hin.

“Dieses Gedenken wollen die Mitwirkenden auch in diesem Jahr in Saarlouis öffentlich wach halten. Sie laden alle dazu ein, sich dem am 27. Januar in einer persönlichen, privaten Form anzuschließen, und hoffen darauf, 2022 wieder zu einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung einladen zu können.

Weitere Auskünfte beim Dekanat Saarlouis, Kleinstraße 58, in Saarlouis-Lisdorf, Telefon 06831/769955-15, www.dekanat-saarlouis.de

Holocaust-Gedenktag 27. Januar – Ein Tag gegen das Vergessen - Die Erinnerung bewahren

Wir gedenken heute der Millionen Opfer, die durch die Nationalsozialisten verfolgt und ermordet worden sind.
Wir wollen die Erinnerung an diese Menschen und ihr Schicksal wachhalten.
Auch wenn die Tiefe und das Ausmaß dieses Leidens und Sterbens nicht zu erfassen sind.
Jüdische Menschen, Sinti und Roma, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, behinderte Menschen, Homosexuelle, Bibelforscher, Pazifisten, Kriegsdienstverweigerer, Kommunisten und Sozialdemokraten, Christen und viele andere sind wegen ihrer Herkunft, ihrer Religion oder ihrer Gesinnung gequält und umgebracht worden.
Eine noch nie dagewesene Vernichtung menschlichen Lebens –physisch wie psychisch.

Jede und jeder einzelne hat das Recht auf Erinnerung.
Wir wollen so ihre Würde und ihr Recht auf Leben hervorheben, das ihnenvon den Mördern abgesprochen worden ist.
Im Dritten Reich haben sich Menschen zum Herrn über Leben und Tod gemacht.
Sie haben anhand abstruser Rassegedanken festgelegt, wer lebenswert und wer lebensunwert ist.
So sind Millionen ermordet worden.

Gerechtigkeit kann ihnen nicht mehr widerfahren.
Das Grauen, die Schmerzen, die Ängste, die Verzweiflung, Ohnmacht, die Entmenschlichung, die Misshandlungen, das Abstumpfen, die Kämpfe um ein Stück Brot, das elende, qualvolle Sterben ...

Gerechtigkeit kann ihnen nicht widerfahren.
Aber Gedenken ist möglich -und notwendig.

Vertreterinnen und Vertreter des Stadtgartengymnasiums, des Max-Planck-Gymnasium und des Ökumenischen Arbeitskreises gedenkenan allen Stolpersteinen und an Orten ihres Lebens in Saarlouis stellvertretend der Menschen, die hier gelebt haben. Wir gedenken der verfolgten und ermordeten Menschen, weil sie Menschen waren. Wir gedenken ihrer, weil sie zu uns gehörten. Sie waren Deutsche, Nachbarn, Freundinnen und Freunde, sie waren Bürgerinnen und Bürgerdieses Landes. Sie sollen nicht vergessen sein.

Wir gedenken ihrer, weil wir uns der Verantwortung unserer Geschichte stellen und weil wir eine Gesellschaft wollen, in der alle Menschen gleichberechtigt und mit unveräußerlichen Rechten leben. Gerade in einer Zeit, in der sich Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit erneut ausbreiten, wollen wir ihrer gedenken. Die Gräuel und die Verbrechen der Nazis werden auch heute noch von vielen Menschen, auch von Parteien verharmlost. So verhöhnen sie die Opfer undihre Angehörigen. Ihr Schicksal bleibt für alle Zeiten ein Mahnmal, wie grausam und bestialisch der Mensch sein kann.

Erinnern ist Teil unserer Menschlichkeit. Sie macht uns aus. Erinnern macht uns menschlich.

Ökumenischer Arbeitskreis Saarlouis
Saarlouiser Gymnasium am Stadtgarten
Max-Planck-Gymnasium Saarlouis

Gedenken am 27.01.2021 in Roden-Thirionstraße 6&9

Und wenn diese meine Haut zerschlagen sein wird,
so werde ich ohne mein Fleisch Gott schauen.
Hiob

Dein Leib im Rauch durch die Luft

O die Schornsteine
Auf den sinnreich erdachten Wohnungen des Todes,
Als Israels Leib zog aufgelöst in Rauch
Durch die Luft –
Als Essenkehrer ihn ein Stern empfing
Der schwarz wurde
Oder war es ein Sonnenstrahl?

O die Schornsteine!
Freiheitswege für Jeremias und Hiobs Staub –
Wer erdachte euch
und baute Stein auf Stein
Den Weg für Flüchtlinge aus Rauch?

O die Wohnungen des Todes,
Einladend hergerichtet
Für den Wirt des Hauses, der sonst Gast war –
O ihr Finger,
Die Eingangsschwelle legend
Wie ein Messer zwischen Leben und Tod –

O ihr Schornsteine,
O ihr Finger,
Und Israels Leib im Rauch durch die Luft!

Nelly Sachs

Wir gedenken der Opfer des Nationalsozialismus und erinnern an ...

Nikolaus Brünnet

Nikolaus Brünnet wurde am 25.01.1902 in Saarlouis-Roden, Thirionstr. 6, geboren. Er starb am 18.03.1945 im Zuchthaus
Siegburg an Fleckfieber.

Nikolaus Brünnet war Hüttenarbeiter und Mitglied der KPD. Seit dem 29.09.1940 war er in U-Haft im Polizei-Gerichts-
Gefängnis Berlin, da er Saaremigrant war. Er wurde am 27.04.1941 wegen Landesverrats zu sechs Jahren Zuchthaus
verurteilt. Vom Zuchthaus Amberg kam er über Ludwigsburg und Zweibrücken nach Siegburg.

Wir protestieren entschieden gegen den Versuch, politisch Andersdenkende zu verfolgen und sie mundtot zu machen.
Wir bekennen uns zu Toleranz und Meinungsfreiheit, solange diese Meinung anderen Menschen mit Respekt begegnet.

27. Januar 2021
Ökumenischer Arbeitskreis Saarlouis

Familie Hanau

Gabriel Hanau (* 1853 in Beaumarais, gest. 1936 in Wiesbaden) war 1906 Mitglied der Repräsentantenversammlung der Synagogengemeinde Saarlouis und wohnte mit seiner Frau Susanne Wolff (* 1858 in Kobern, gest. 1942 in Theresienstadt) in Saarlouis-Roden in der Kirchenstr. 30 (heute Thirionstraße 9).

Am 25.11.1918 meldete er dort einen Pferdehandel an. Das Ehepaar hatte fünf Kinder, von denen vier dem Nazi-Terror
zum Opfer fielen.

Die Kinder Theodor (* 1884 in Roden), Rosa (* 1886 in Roden), Golda (* 1888 in Roden) lebten 1941 in einem
Judenhaus in Wiesbaden. Von dort aus wurden sie in die Vernichtungslager deportiert. Theodor ermordeten die Nazis
1944 in Auschwitz und seine Schwester Rosa 1943 im Vernichtungslager Sobibor. Golda kam 1942 in das Ghetto
Theresienstadt und starb dort 1943. Flora (* 1891 in Roden) wurde am 28.09.1942 von Darmstadt nach Theresienstadt
deportiert. Von dort kam sie nach Auschwitz, wo sie 1943 starb.

Wir bekennen uns zur unverletzlichen Würde und Gleichheit aller Menschen und protestieren entschieden gegen die
Bewertung und Ungleichbehandlung von Menschen nach ihrer Herkunft und Volkszugehörigkeit!

27. Januar 2021
Ökumenischer Arbeitskreis Saarlouis

Günter Massonne

Er wurde am 22.10.1928 in Saarlouis-Roden, Thirionstr. 6, geboren und starb am 02.03.1943 in Hadamar.

Da seine Eltern 1935 nach Frankreich emigrierten (Vater Nikolaus war Franzose), wuchs Günter im Haushalt der Großeltern auf. Er war kleinwüchsig, konnte nicht gehen und sprechen. Neun Monate verweilte er in einem Kinderheim in Brandenburg. Am 12.09.1942 wurde er in die Heilerziehungs- und Pflegeanstalt Scheuern eingewiesen; fünf Monate später kam er nach Hadamar, wo er im Rahmen des Euthanasie-Programms verstarb.

Wir bekennen uns zur unverletzlichen Würde und Gottesebenbildlichkeit eines jeden Menschen!

27. Januar 2021
Ökumenischer Arbeitskreis Saarlouis

Gedenkgottesdienst für früh verstorbene Kinder im Internet

Der Verein „Sternen-Eltern Saarland“ sowie das Dekanat Saarlouis und die Pfarreiengemeinschaft Saarwellingen hatten wieder zu einem Gedenkgottesdienst für früh verstorbene Kinder eingeladen, und zwar am Sonntag, den 13. Dezember 2020 um 16.00 Uhr. Wegen der Corona-Pandemie fand dieser Gottesdienst aber nicht real statt, sondern konnte nur im Internet verfolgt werden. Dies ist auch jetzt noch möglich unter:

https://youtu.be/0LaFW2MJlgk

Die gottesdienstliche Gedenkfeier aus Saarwellingen wurde musikalisch gestaltet von Stefanie Riga (Blockflöte) und dem Duo „Perlregen“. Texte wurden vorgetragen von verschiedenen betroffenen Eltern, der Gemeindereferentin Daniele Weber und Pastoralreferent Rolf Friedsam. Im Anschluss an den Gottesdienst sind verschiedene Grußbotschaften zu sehen von saarländischen Politikern und anderen Selbsthilfegruppen und –initiativen aus ganz Deutschland.

Der zweite Sonntag im Dezember ist ein weltweiter Gedenktag für alle verstorbenen Kinder. Am Abend werden alle Menschen weltweit eingeladen, eine Kerze anzuzünden und an das Fenster zu stellen, damit an diesem Tag ein weltweites Lichterband im Gedenken an verstorbene Kinder entsteht.

Kontaktpersonen sind Sandra Kern, 1. Vorsitzende von Sterneneltern Saarland e.V., https://sternenelternsaarland.de, Gemeindereferentin Daniele Weber, Pfarreiengemeinschaft Saarwellingen und Pastoralreferent Rolf Friedsam, Dekanat Saarlouis.

Vortrag zum Thema „Frieden“ fällt aus

Der Vortrag „Frieden – eine realistische Möglichkeit?“ des ökumenischen Arbeitskreises am 16. November im Karl-Thiel Haus, Donatusstraße 33 in Saarlouis fällt wegen der Corona-Auflagen aus.

Clemens Ronnefeldt vom Internationalen Versöhnungsbund wollte in seinem Vortrag die aktuelle sicherheitspolitische Situation in der Welt analysieren, insbesondere nach den Wahlen in den USA. Mit Hilfe von Beispielen für konstruktive Konfliktbearbeitungen hätte er aufgezeigt, dass der Friede trotzdem eine realistische Möglichkeit darstellt und dass dabei der christliche Glaube oft die Motivation und Quelle für die Bemühungen um den Frieden darstellt. Trotz der aktuellen Brisanz des Themas muss der Vortrag aus aktuellem Anlass ausfallen, wird aber im nächsten Jahr nachgeholt. Weitere Informationen unter:www.dekanat-saaarlouis.de und www.friedensdekade.de

Bestattung früh verstorbener Kinder

Am Mittwoch, dem 21. April 2021 findet um 11.00 Uhr die gemeinsame Bestattung von früh gestorbenen Kindern auf dem Friedhof Neue Welt in Saarlouis statt.

Immer wieder enden Schwangerschaften mit dem Versterben der Kinder noch weit vor der Geburt. Das Marienhaus Klinikum Saarlouis-Dillingen und das Krankenhaus vom DRK Saarlouis haben in Kooperation mit dem Dekanat und der Stadt Saarlouis ein Gräberfeld eingerichtet. Hier finden dreimal jährlich gemeinsame Bestattungen aller Kinder statt, die in Saarlouis so früh verstorben sind, dass sie das Licht der Welt gar nicht erblicken konnten. Das Gräberfeld ist ein Ort der Ruhe und des Gedenkens, Trauer und Hoffnung haben hier gleichermaßen ihren Platz.

Eingeladen sind alle Eltern, Großeltern, Geschwisterkinder und Menschen, die Anteil nehmen möchten.

Die ökumenische Feier beginnt in der Trauerhalle in der Nähe des Haupteingangs. In der Halle stehen allerdings nur 10 Plätze zur Verfügung. Wenn Sie teilnehmen wollen, denken Sie bitte an Ihren Mund-Nase-Schutz.

Verantwortlich sind die Klinikseelsorger beider Krankenhäuser (Tel: 06831/161682).

Geduld - ein kleiner Impuls für den Tag

Geduld ist das Schwerste und das Einzige,
was zu lernen sich lohnt.
Alle Natur, alles Wachstum, aller Friede, alles Gedeihen
und Schöne in der Welt beruht auf Geduld,
braucht Zeit, braucht Stille, braucht Vertrauen.
                                        Hermann Hesse

La paciencia es lo más dificil
y lo único que vale la pena aprender.
Toda naturaleza, todo crecimiento, toda paz,
toda prosperidad y belleza en el mundo
descansa en la paciencia, necesita tiempo,
necesita silencio, necesita confianza.

Der Satz ist auf dem März-Blatt des Jahres-Kalenders des Missionskreises Ayopaya zu lesen; er hängt über meinem Schreibtisch und ist mir (erst) heute ins Auge gefallen.

Der "Missionskreis Ayopaya", ist eine Vereinigung aus Bayern, die in Bolivien im Raum Cochabamba Projekte unterstützt, die durch Missionaren/innen (bes. den Priester Manfred Rauh *1932-+2011 und Schwester Verena Birnbacher *1933)  begonnen wurden.

Herzliche Grüsse
Michael (Mlynski)

Victor Codina SJ: „Warum erlaubt Gott die Pandemie und schweigt? Ist es eine Strafe? Müssen wir ihn um Wunder anflehen? Wo ist Gott?“

Glücklicherweise erscheinen gleichzeitig mit den schrecklichen und teilweise sensationslustigen Fernsehnachrichten auch andere Stimmen – alternative, positive und hoffnungsvolle.

Manche verweisen auf die Geschichte, um uns daran zu erinnern, dass die Menschheit andere Situationen von Pesterkrankungen und Pandemien überstanden und besiegt hat wie die im Mittelalter oder die von 1918 nach dem 1. Weltkrieg. Andere wundern sich über die einheitliche europäische Haltung gegen den Virus, während sie bisher über den Weg bezüglich Klimawandel, Migranten und das Wettrüsten nicht übereinstimmten, sicher weil diese Pandemie Grenzen durchbricht und die Interessen der Mächtigen berührt. Jetzt berührt die Europäer etwas von dem Leid, was die Flüchtlingen und Einwanderer erleiden, die keine Grenzen überschreiten dürfen.

Es gibt Humanisten, die darauf hinweisen, dass diese Krise eine Art von „weltlicher Fastenzeit“ ist, die uns auf die wesentlichen Werte konzentriert wie das Leben, die Liebe und die Solidarität, und uns dazu zwingt viele Dinge zu relativieren, die wir bisher für unverzichtbar und unantastbar hielten. Plötzlich sinkt die atmosphärische Verschmutzung und der rasend schnelle Rhythmus des Konsumlebens, den wir bisher nicht ändern wollten.

Unser abendländischer Stolz die allmächtigen Protagonisten der modernen Welt, Herren der Wissenschaft und des Fortschritts zu sein ist abgestürzt. In voll häuslicher Quarantäne und ohne auf die Strasse hinausgehen zu können, beginnen wir die Wirklichkeit des Familienlebens zu schätzen. Wir fühlen uns abhängiger, alle hängen von allen ab, alle sind verletzlich, die einen brauchen die anderen, wir sind global verbunden, für das Gute und das Schlechte.

Es tauchen auch Reflexionen auf über das Problem des Bösen, den Sinn des Lebens und die Wirklichkeit des Todes, ein heutiges Tabuthema. Der Roman „Die Pest“ von Albert Camus von 1947 ist zu einem Bestseller geworden. Er ist nicht nur die Chronik der Pest von Oran, sondern ein Gleichnis über menschliches Leid, über physisches und moralisches Übel der Welt, über die Notwendigkeit von Zärtlichkeit und Solidarität.

Wir Gläubigen der jüdisch-christlichen Tradition stellen uns Fragen wegen des Schweigens Gottes angesichts dieser Epidemie. Warum erlaubt Gott dies und schweigt? Ist es eine Strafe? Müssen wir ihn um Wunder bitten, wie Pater Péneloux es in „Die Pest“ tut? Müssen wir Gott das Ticket des Lebens zurückgeben, wie es Iwan Karamasov in die „Brüder Karamasow“ tut angesichts des Leidens der Unschuldigen? Wo ist Gott?

Wir stehen nicht vor einem Rätsel, sondern vor einem Geheimnis, einem Glaubensgeheimnis, das uns veranlasst zu glauben an und vertrauen auf einen Gott, der Vater und Mutter und Schöpfer ist, der nicht bestraft, der gut und barmherzig ist, der immer bei uns ist, der Emanuel ist; wir glauben und vertrauen in Jesus von Nazareth der kommt, um uns Leben in Fülle zu geben, und der mitfühlt mit denen, die leiden; wir glauben an einen Geist, der lebendig macht, Herr und Geber des Lebens. Und dieser Glaube ist keine Errungenschaft, er ist ein Geschenk des Geistes des Herrn, das uns durch das Wort (die Schrift/Bibel) in der kirchlichen Gemeinschaft erreicht.

All das verhindert nicht, dass wir wie Hiob vor Gott schimpfen und Klage führen beim Anblick von so viel Leid, es verhindert nicht, dass wir wie Kohelet oder der Prediger die Kürze, die Leichtlebigkeit und die Nichtigkeit des Lebens feststellen. Aber wir haben keine Wunder zu fordern von einem Gott, der die Schöpfung und unsere Freiheit achtet, der will, dass wir mitarbeiten an der Verwirklichung dieser begrenzten und endlichen Welt. Jesus löst uns nicht theoretisch das Problem des Bösen und des Leids, sondern öffnet uns durch seine Wunden als Gekreuzigter-Auferstandener den neuen Horizont seines Leidens und seiner Auferstehung; Jesus macht unser Leben hell durch seine Identifikation mit den Armen und denen, die leiden; und mit dem Geschenk des Geistes gibt er uns Kraft und Trost in unseren schweren Momenten des Leidens und der Hingabe.

Wo ist Gott? Er ist in den Opfern dieser Pandemie, er ist in den Ärzten und Pflegenden, die sich um sie kümmern, er ist in den Wissenschaftlern, die einen Antivirus-Impfstoff suchen, er ist in allen, die in diesen Tagen zusammen arbeiten und helfen, das Problem zu lösen, er ist in allen, die beten für die anderen, in denen, die Hoffnung verbreiten.

Enden wir mit einem Vertrauenspsalm, den die Kirche uns an den Sonntagen für die Gebetszeit der Komplet vor dem Schlafengehen vorschlägt:

Wer im Schutz des Höchsten wohnt und ruht im Schatten des Allmächtigen,
der sagt zum Herrn: ‚Du bist für mich Zuflucht und Burg, mein Gott, dem ich vertraue.’
Er rettet dich aus der Schlinge des Jägers und aus allem Verderben.
Er beschirmt dich mit seinen Flügeln, unter seinen Schwingen findest du Zuflucht, Schild und Schutz ist dir seine Treue.
Du brauchst dich vor dem Schrecken der Nacht nicht zu fürchten, noch vor dem Pfeil, der am Tag dahinfliegt, nicht vor der Pest, die im Finstern schleicht,
vor der Seuche, die wütet am Mittag.
(Psalm 91, 1-6)

Vielleicht hilft unsere Pandemie uns, Gott zu begegnen, wo wir es nicht erwartet haben.

Zur Erläuterung

Victor Codina ist Jesuit, geboren 1931 in Barcelona - also Katalane und Spanier. Er ist Doktor und Professor für Theologie - hat seit 1965 in Barcelona und ab 1982 in Bolivien (lange in Cochabamba) gelehrt. Seit Mitte 2018 lebt er aufgrund seines hohen Alters wieder in Barcelona.

In Deutschland ist er nicht bekannt, da seine Werke in Spanisch erscheinen. Dennoch ist er einer der großen Theologen unserer Zeit. Was Victor Codina besonders auszeichnet, ist, dass er ähnlich wie Gustavo Gutierrez einerseits Theologischer Lehrer war/ist und gleichzeitig andererseits intensiv sein einfaches Leben mit armen Menschen in Bolivien (in der Seelsorge) geteilt hat.

Michael Mlynski (von ihm stammt auch die Übersetzung des spanischen Orginaltextes)

Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2020 in Saarlouis

Am 27. Januar 2020 jährte sich zum 75. mal die Befreiung des KZ- Auschwitz, in dem Millionen Menschen vor allem jüdischer Abstammung ermordet worden sind. Deshalb ist dieser Tag ein besonderer Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, an deren erster Stelle Juden stehen.

Aus diesem Anlass gab es auch in Saarlouis eine Gedenkveranstaltung. Am Montag, den 27. Januar wurde von 9.00 Uhr bis 21.00 Uhr in der evangelischen Kirche der Opfer dieser Verbrechen gedacht und an sie erinnert.

Auf Initiative des ökumenischen Arbeitskreises Saarlouis haben sich Schulklassen der unterschiedlichen Schulen in Saarlouis, Einzelpersonen und Gruppierungen diesen Tag gestaltet. Sie verbinden damit die Hoffnung, dass Menschen heute für Antisemitismus, Judenhass und jede Form von Rassismus sensibilisiert werden. Die derzeitigen aktuellen Geschehnisse machen leider deutlich, wie sehr auch in Deutschland immer noch und vermehrt Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und insbesondere Judenhass lebendig sind – und Menschen auch vor Verbrechen gegen jüdische Bürger nicht zurückschrecken. Der Angriff auf die Synagoge in Halle ist ein letzter schlimmer Höhepunkt dieser Entwicklung. Umso wichtiger ist es den Veranstaltern deutlich zu machen, dass die unvorstellbar grausamen Verbrechen des Nationalsozialismus nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Vor allem dürfen die Opfer nicht vergessen werden.

Die Erinnerung und Mahnung wurde an diesem Tag durch unterschiedliche Texte, Musikbeiträge und Bildern in unterschiedlichen Formen zum Ausdruck gebracht. Alle Menschen, die sich der Auseinandersetzung nicht entziehen und das Anliegen unterstützen möchten, waren während des ganzen Tages herzlich eingeladen, die Veranstaltung zu besuchen, um damit der historischen und aktuellen Verantwortung Ausdruck zu verleihen.

Herzlichen Dank an Pfarrer Volker Hassenpflug für die schönen Fotos der Gedenkveranstaltung!

Nachruf

Die Pfarreiengemeinschaft Bous-Ensdorf und das Dekanat Saarlouis trauern um

Pfarrer Heinz Haser

der am 10. Dezember nach langer, schwerer Krankheit sein Leben friedlich in Gottes Hand zurückgegeben hat.

Heinz Haser war seit dem Jahr 2000 Pfarrer in Bous St. Peter und ab 2009 außerdem Pfarrer in Ensdorf St. Marien, bis er aus gesundheitlichen Gründen seinen Dienst in unserer Pfarreiengemeinschaft im Jahre 2018 beenden musste. Von 2004 bis zu seiner Erkrankung war er zusätzlich der erste Dechant des neu gegründeten Dekanates Saarlouis.

In ihm verlieren wir einen leidenschaftlichen Seelsorger. Pastor Haser war mit Leib und Seele Priester. Es war für ihn eine Herzensangelegenheit, Menschen in allen Lebenslagen zu begleiten und sie in ihrem Glauben an Gott zu stärken. Mit seiner liebenswerten und humorvollen Art ist er auf andere zugegangen und konnte damit junge und alte Gemeindemitglieder begeistern. Er hat viele Menschen geprägt. Durch sein Engagement und den Blick für die Bedürfnisse der Menschen vor Ort entstanden Projekte wie der Lebensmittelkorb in Bous oder auch Familienfreizeiten, an die man sich immer noch gerne erinnert. Ein besonderes Anliegen war ihm die Ökumenearbeit. Dank seines Zutuns ist eine lebendige Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirchengemeinde entstanden. Wir sind dankbar für sein Wirken in Bous und Ensdorf sowie im Dekanat und werden ihn sehr vermissen.

Mit seiner Familie fühlen wir uns im Gebet verbunden.

Für die Pfarreiengemeinschaft Bous-Ensdorf:

Pfarrer Dr. Frank KleinjohannUlrike Soranna
PfarrverwalterVorsitzende des Pfarreienrates

Für das Dekanat Saarlouis:

Rolf FriedsamHans-Georg MüllerBruno Steinke
DekanatsreferentGeschäftsführender DechantVorsitzender des Dekanatsrates

Die Pfarreiengemeinschaft Bous-Ensdorf gedenkt seiner und betet für ihn in den Eucharistiefeiern
am Samstag, den 21. Dezember um 18.30 Uhr in St. Peter Bous
und am Sonntag, den 22. Dezember um 9.30 Uhr in St. Marien Ensdorf.

„Libyen ist die Hölle für schwarze Menschen“

Seenotretter Schramm berichtet von den Einsätzen der Sea-Watch im Mittelmeer

Saarlouis – „Sea-Watch 3“, der Name dieses Schiffes steht seit dem Sommer für die privat organisierte  Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer. Dafür sorgte die tagelange mediale Berichterstattung über das Landeverbot für dieses Schiff und die Verhaftung der damaligen Kapitänin Carola Rackete bei der Landung in Lampedusa. Aber was geschieht eigentlich auf diesen Schiffen? Wie geht Rettung von Geflüchteten im Mittelmeer? Lorenz Schramm aus Freiburg war bereits bei fünf Missionen der Sea-Watch dabei. Der 29-jährige Gesundheits- und Krankenpfleger war am 14. November auf Initiative des Willkommensnetzes, der Flüchtlingshilfe im Bistum Trier, in Saarlouis zu Gast um über den Alltag und die Probleme bei den Rettungsaktionen zu berichten. Rund 60 Interessierte waren der Einladung von Caritas und Dekanat gefolgt.

Meist dreieinhalb Wochen dauert eine Mission für die ehrenamtlichen Seenotretter bei Sea-Watch. Aus 20 Leuten besteht eine Crew, darunter auch bezahlte Seeleute, die für die Sicherheit des Schiffes notwendig sind und von den Seefahrtbehörden an Bord verlangt werden. 50 Meter lang ist das Schiff und neun Meter breit. In seinem früheren Leben diente es als Versorgungsschiff für Ölbohrplattformen. „Platz ist für 600 Gäste, dann ist das Boot wirklich mal voll“, erklärt Schramm in Anspielung auf einen fremdenfeindlichen Slogan. „Gäste“ nennt die Besatzung die aus Seenot geretteten Flüchtlinge, die an Bord auf zwei Decks Platz finden. Zur eigentlichen Rettung der Menschen aus ihren nicht seetauglichen Booten hat die Sea-Watch zwei Schnellboote an Bord. Es gibt eine „ganz gut ausgerüstete Krankenstation“, mit der man auch auf medizinische Notfälle vorbereitet ist. So habe man einmal einen Säugling gerettet, der auf einem der völlig überfüllten Gummiboote zur Welt kam. Alltäglich sind bei den Geretteten „Krätze“ wegen der „katastrophalen hygienischen Zustände“ in den „KZ-ähnlichen“ Lagern in Libyen, sagt Schramm. Dazu kommen Kopfschmerzen wegen der regelmäßigen Dehydrierung der Flüchtlinge. Zwei Ärztinnen oder Ärzte sind an Bord, dazu zwei ausgebildete Pflegepersonen, wie er selbst. In der Crew ist jeder zunächst für sein Fachgebiet zuständig, doch darüber hinaus gibt es jede Menge gemeinschaftliche Aufgaben. Die müssen vor jedem Einsatz auch gemeinsam trainiert werden. Da ist einmal das Rettungstraining. „Was können wir dafür tun, dass die Menschen in den Booten ruhig bleiben?“ „Wie bekommen wir sie in unsere Boote?“ „Wie benutzt man die Rettungsanzüge?“ „Wie löschen wir ein Feuer an Bord?“ Das sind wesentliche Trainingsaufgaben. Dazu kommen Übungen, wie man mit Bedrohungen von außen umgehen kann. Ganz vorne steht dabei der Umgang mit der libyschen Küstenwache, die die Retter oft mit Waffengewalt bedrohen.

Die Lage der Flüchtlinge in Libyen und die Rolle der Küstenwache treibt den Seenotretter Schramm besonders an. „Da passieren schlimme Dinge“, sagt er. Die Küstenwache werde von der EU trainiert, Boote zurück zu bringen. Es gebe zahlreiche Belege dafür, dass diese Leute „keine guten Rettungen durchführen.“ Zurück gebracht werden sollen die Flüchtlinge, die fast ausnahmslos schwarze Hautfarbe haben und aus Staaten südlich der Sahara stammen, nach Libyen, wo es einen starken Rassismus gegen diese Menschen gebe, kritisiert Schramm: „Man darf doch niemand an einen Ort bringen, wo systematische Verfolgung droht“. Die Flüchtlingsgefängnisse dort seien völlig überfüllt, Gefangene würden gefoltert, Flüchtlinge, die ihre Schlepper nicht bezahlen können würden gekidnappt um deren Familien noch mehr auszupressen, die Menschen müssten Hungern, es gebe trockene Makkaroni, aber keine Gelegenheit zu kochen, illustriert Schramm die Lage in Libyen. Dabei hätten die Flüchtlinge - mit dem Weg durch die Sahara - bis dorthin schon einen sehr gefährlichen Teil ihrer Flucht hinter sich. „Erste tödliche Grenze zu Europa“ nennt er die Wüste und die hier lauernden Gefahren. „Unfassbar, wie die Menschen dort ihr Leben verlieren: es gehen Autos kaputt und die Flüchtlinge sterben auf ihrem weiteren Weg zu Fuß oder sie geraten sofort in die Hände von Milizen.“ Was die Menschen, die wir retten alles erlebt haben, das reiche für viele Hollywoodfilme. „Aber die Flüchtlinge sind ja nicht weiß, also gibt es diese Filme nicht“, sagt Schramm sarkastisch.

Die Seenotretter wissen von ihren Gästen genau, welche Bedrohungen sie hinter sich haben, vom Hunger und Krieg in ihren Herkunftsländern über die Gefahren unterwegs bis zur Bedrohung auf dem offenen Meer. Das motiviert sie zum Einsatz. Der auch sehr belastend sein kann. Deshalb gibt es nach jeder Mission auch die Möglichkeit mit Fachdiensten diese Belastungen zu bearbeiten, zur Verfügung gestellt etwa von der Erzdiözese München.

Oft werde in Zweifel gezogen, dass die Flüchtlinge in Seenot gewesen seien. Schramm zeigt zu diesem Vorwurf Fotos von völlig überfüllten Booten und benennt einige der Kriterien, die für einen Seenotfall gelten. Dazu gehört etwa, dass es unwahrscheinlich erscheint, dass das Boot sein Ziel erreicht oder es nicht genug Lebensmittel und Wasser bis dahin an Bord hat. Oder, dass die Mittel fehlen, die nötig sind, die Menschen zu retten, wenn das Boot sinkt. „Damit ist jedes Flüchtlingsboot, das den libyschen Strand verlässt in Seenot“, sagt Schramm.

Um die Boote außerhalb einer 24-Meilen-Zone zu entdecken, helfen das Radar der Sea-Watch, oft ein zusätzlichen Flugzeug und vor allem der permanente Ausguck von der Brücke mit dem Fernglas. Sind die Gäste dann erst einmal an Bord, stelle sich die „spannende Frage“ wie die Stimmung unter ihnen ist. Meistens seien die Menschen „völlig platt“, müssten versorgt werden und litten an traumatischen Belastungsstörungen. Deshalb gelte es das Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Doch der Aufbau von Vertrauen sei nicht so ganz leicht, weil viele bereits wüssten, dass es gar nicht so leicht werde nach Europa zu kommen. Schramm, an Bord auch zuständig „um die Stimmung zu checken“, wünscht sich bei allen „vorsichtigen Optimismus“. Große Gefahr könne an Bord entstehen, wenn sich Hoffnungslosigkeit durchsetze. „Leider sorgt die EU dafür, dass wir regelmäßig Momente haben, wo die Hoffnung stirbt“, sagt Schramm. Kritische Bemerkungen auch zu dem - zunächst gut gemeinten – Angebot bei Anlandungsverboten  - aus medizinischen Gründen - Kranke oder Kindern vom Schiff zu lassen. Dann überlegten die Menschen, was sie tun müssen, um dazu zu gehören. Ein wenig stolz ist er auf die Zeit des 17-tägigen Wartens vor der Anlandung in Lampedusa: „Da gab es nur einen kleineren Streit an Bord“. Die Crew versucht die Langeweile für die Gäste an Bord zu vertreiben, so gut es geht in dieser Enge. Es gibt Spiele und Musikinstrumente, auch erste Sprachkurse. Und sie hören den Flüchtlingen zu. Auch das stärkt die Motivation der Helferinnen und Helfer. Etwa wenn sie oft hören müssen „Libyen ist die Hölle für schwarze Menschen“.

Mehr über das Engagement von Sea-Watch im Internet: www.sea-watch.org

(Bistum Trier, red)