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Nachrichten

Hier finden sie aktuelle Nachrichten aus dem Dekanat Saarlouis.

Ältere Nachrichten finden sie in unserem Archiv: Nachrichten 2019

Gedenkgottesdienst für früh verstorbene Kinder im Internet

Der Verein „Sternen-Eltern Saarland“ sowie das Dekanat Saarlouis und die Pfarreiengemeinschaft Saarwellingen hatten wieder zu einem Gedenkgottesdienst für früh verstorbene Kinder eingeladen, und zwar am Sonntag, den 13. Dezember 2020 um 16.00 Uhr. Wegen der Corona-Pandemie fand dieser Gottesdienst aber nicht real statt, sondern konnte nur im Internet verfolgt werden. Dies ist auch jetzt noch möglich unter:

https://youtu.be/0LaFW2MJlgk

Die gottesdienstliche Gedenkfeier aus Saarwellingen wurde musikalisch gestaltet von Stefanie Riga (Blockflöte) und dem Duo „Perlregen“. Texte wurden vorgetragen von verschiedenen betroffenen Eltern, der Gemeindereferentin Daniele Weber und Pastoralreferent Rolf Friedsam. Im Anschluss an den Gottesdienst sind verschiedene Grußbotschaften zu sehen von saarländischen Politikern und anderen Selbsthilfegruppen und –initiativen aus ganz Deutschland.

Der zweite Sonntag im Dezember ist ein weltweiter Gedenktag für alle verstorbenen Kinder. Am Abend werden alle Menschen weltweit eingeladen, eine Kerze anzuzünden und an das Fenster zu stellen, damit an diesem Tag ein weltweites Lichterband im Gedenken an verstorbene Kinder entsteht.

Kontaktpersonen sind Sandra Kern, 1. Vorsitzende von Sterneneltern Saarland e.V., https://sternenelternsaarland.de, Gemeindereferentin Daniele Weber, Pfarreiengemeinschaft Saarwellingen und Pastoralreferent Rolf Friedsam, Dekanat Saarlouis.

Vortrag zum Thema „Frieden“ fällt aus

Der Vortrag „Frieden – eine realistische Möglichkeit?“ des ökumenischen Arbeitskreises am 16. November im Karl-Thiel Haus, Donatusstraße 33 in Saarlouis fällt wegen der Corona-Auflagen aus.

Clemens Ronnefeldt vom Internationalen Versöhnungsbund wollte in seinem Vortrag die aktuelle sicherheitspolitische Situation in der Welt analysieren, insbesondere nach den Wahlen in den USA. Mit Hilfe von Beispielen für konstruktive Konfliktbearbeitungen hätte er aufgezeigt, dass der Friede trotzdem eine realistische Möglichkeit darstellt und dass dabei der christliche Glaube oft die Motivation und Quelle für die Bemühungen um den Frieden darstellt. Trotz der aktuellen Brisanz des Themas muss der Vortrag aus aktuellem Anlass ausfallen, wird aber im nächsten Jahr nachgeholt. Weitere Informationen unter:www.dekanat-saaarlouis.de und www.friedensdekade.de

Geduld - ein kleiner Impuls für den Tag

Geduld ist das Schwerste und das Einzige,
was zu lernen sich lohnt.
Alle Natur, alles Wachstum, aller Friede, alles Gedeihen
und Schöne in der Welt beruht auf Geduld,
braucht Zeit, braucht Stille, braucht Vertrauen.
                                        Hermann Hesse

La paciencia es lo más dificil
y lo único que vale la pena aprender.
Toda naturaleza, todo crecimiento, toda paz,
toda prosperidad y belleza en el mundo
descansa en la paciencia, necesita tiempo,
necesita silencio, necesita confianza.

Der Satz ist auf dem März-Blatt des Jahres-Kalenders des Missionskreises Ayopaya zu lesen; er hängt über meinem Schreibtisch und ist mir (erst) heute ins Auge gefallen.

Der "Missionskreis Ayopaya", ist eine Vereinigung aus Bayern, die in Bolivien im Raum Cochabamba Projekte unterstützt, die durch Missionaren/innen (bes. den Priester Manfred Rauh *1932-+2011 und Schwester Verena Birnbacher *1933)  begonnen wurden.

Herzliche Grüsse
Michael (Mlynski)

Victor Codina SJ: „Warum erlaubt Gott die Pandemie und schweigt? Ist es eine Strafe? Müssen wir ihn um Wunder anflehen? Wo ist Gott?“

Glücklicherweise erscheinen gleichzeitig mit den schrecklichen und teilweise sensationslustigen Fernsehnachrichten auch andere Stimmen – alternative, positive und hoffnungsvolle.

Manche verweisen auf die Geschichte, um uns daran zu erinnern, dass die Menschheit andere Situationen von Pesterkrankungen und Pandemien überstanden und besiegt hat wie die im Mittelalter oder die von 1918 nach dem 1. Weltkrieg. Andere wundern sich über die einheitliche europäische Haltung gegen den Virus, während sie bisher über den Weg bezüglich Klimawandel, Migranten und das Wettrüsten nicht übereinstimmten, sicher weil diese Pandemie Grenzen durchbricht und die Interessen der Mächtigen berührt. Jetzt berührt die Europäer etwas von dem Leid, was die Flüchtlingen und Einwanderer erleiden, die keine Grenzen überschreiten dürfen.

Es gibt Humanisten, die darauf hinweisen, dass diese Krise eine Art von „weltlicher Fastenzeit“ ist, die uns auf die wesentlichen Werte konzentriert wie das Leben, die Liebe und die Solidarität, und uns dazu zwingt viele Dinge zu relativieren, die wir bisher für unverzichtbar und unantastbar hielten. Plötzlich sinkt die atmosphärische Verschmutzung und der rasend schnelle Rhythmus des Konsumlebens, den wir bisher nicht ändern wollten.

Unser abendländischer Stolz die allmächtigen Protagonisten der modernen Welt, Herren der Wissenschaft und des Fortschritts zu sein ist abgestürzt. In voll häuslicher Quarantäne und ohne auf die Strasse hinausgehen zu können, beginnen wir die Wirklichkeit des Familienlebens zu schätzen. Wir fühlen uns abhängiger, alle hängen von allen ab, alle sind verletzlich, die einen brauchen die anderen, wir sind global verbunden, für das Gute und das Schlechte.

Es tauchen auch Reflexionen auf über das Problem des Bösen, den Sinn des Lebens und die Wirklichkeit des Todes, ein heutiges Tabuthema. Der Roman „Die Pest“ von Albert Camus von 1947 ist zu einem Bestseller geworden. Er ist nicht nur die Chronik der Pest von Oran, sondern ein Gleichnis über menschliches Leid, über physisches und moralisches Übel der Welt, über die Notwendigkeit von Zärtlichkeit und Solidarität.

Wir Gläubigen der jüdisch-christlichen Tradition stellen uns Fragen wegen des Schweigens Gottes angesichts dieser Epidemie. Warum erlaubt Gott dies und schweigt? Ist es eine Strafe? Müssen wir ihn um Wunder bitten, wie Pater Péneloux es in „Die Pest“ tut? Müssen wir Gott das Ticket des Lebens zurückgeben, wie es Iwan Karamasov in die „Brüder Karamasow“ tut angesichts des Leidens der Unschuldigen? Wo ist Gott?

Wir stehen nicht vor einem Rätsel, sondern vor einem Geheimnis, einem Glaubensgeheimnis, das uns veranlasst zu glauben an und vertrauen auf einen Gott, der Vater und Mutter und Schöpfer ist, der nicht bestraft, der gut und barmherzig ist, der immer bei uns ist, der Emanuel ist; wir glauben und vertrauen in Jesus von Nazareth der kommt, um uns Leben in Fülle zu geben, und der mitfühlt mit denen, die leiden; wir glauben an einen Geist, der lebendig macht, Herr und Geber des Lebens. Und dieser Glaube ist keine Errungenschaft, er ist ein Geschenk des Geistes des Herrn, das uns durch das Wort (die Schrift/Bibel) in der kirchlichen Gemeinschaft erreicht.

All das verhindert nicht, dass wir wie Hiob vor Gott schimpfen und Klage führen beim Anblick von so viel Leid, es verhindert nicht, dass wir wie Kohelet oder der Prediger die Kürze, die Leichtlebigkeit und die Nichtigkeit des Lebens feststellen. Aber wir haben keine Wunder zu fordern von einem Gott, der die Schöpfung und unsere Freiheit achtet, der will, dass wir mitarbeiten an der Verwirklichung dieser begrenzten und endlichen Welt. Jesus löst uns nicht theoretisch das Problem des Bösen und des Leids, sondern öffnet uns durch seine Wunden als Gekreuzigter-Auferstandener den neuen Horizont seines Leidens und seiner Auferstehung; Jesus macht unser Leben hell durch seine Identifikation mit den Armen und denen, die leiden; und mit dem Geschenk des Geistes gibt er uns Kraft und Trost in unseren schweren Momenten des Leidens und der Hingabe.

Wo ist Gott? Er ist in den Opfern dieser Pandemie, er ist in den Ärzten und Pflegenden, die sich um sie kümmern, er ist in den Wissenschaftlern, die einen Antivirus-Impfstoff suchen, er ist in allen, die in diesen Tagen zusammen arbeiten und helfen, das Problem zu lösen, er ist in allen, die beten für die anderen, in denen, die Hoffnung verbreiten.

Enden wir mit einem Vertrauenspsalm, den die Kirche uns an den Sonntagen für die Gebetszeit der Komplet vor dem Schlafengehen vorschlägt:

Wer im Schutz des Höchsten wohnt und ruht im Schatten des Allmächtigen,
der sagt zum Herrn: ‚Du bist für mich Zuflucht und Burg, mein Gott, dem ich vertraue.’
Er rettet dich aus der Schlinge des Jägers und aus allem Verderben.
Er beschirmt dich mit seinen Flügeln, unter seinen Schwingen findest du Zuflucht, Schild und Schutz ist dir seine Treue.
Du brauchst dich vor dem Schrecken der Nacht nicht zu fürchten, noch vor dem Pfeil, der am Tag dahinfliegt, nicht vor der Pest, die im Finstern schleicht,
vor der Seuche, die wütet am Mittag.
(Psalm 91, 1-6)

Vielleicht hilft unsere Pandemie uns, Gott zu begegnen, wo wir es nicht erwartet haben.

Zur Erläuterung

Victor Codina ist Jesuit, geboren 1931 in Barcelona - also Katalane und Spanier. Er ist Doktor und Professor für Theologie - hat seit 1965 in Barcelona und ab 1982 in Bolivien (lange in Cochabamba) gelehrt. Seit Mitte 2018 lebt er aufgrund seines hohen Alters wieder in Barcelona.

In Deutschland ist er nicht bekannt, da seine Werke in Spanisch erscheinen. Dennoch ist er einer der großen Theologen unserer Zeit. Was Victor Codina besonders auszeichnet, ist, dass er ähnlich wie Gustavo Gutierrez einerseits Theologischer Lehrer war/ist und gleichzeitig andererseits intensiv sein einfaches Leben mit armen Menschen in Bolivien (in der Seelsorge) geteilt hat.

Michael Mlynski (von ihm stammt auch die Übersetzung des spanischen Orginaltextes)

Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2020 in Saarlouis

Am 27. Januar 2020 jährte sich zum 75. mal die Befreiung des KZ- Auschwitz, in dem Millionen Menschen vor allem jüdischer Abstammung ermordet worden sind. Deshalb ist dieser Tag ein besonderer Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, an deren erster Stelle Juden stehen.

Aus diesem Anlass gab es auch in Saarlouis eine Gedenkveranstaltung. Am Montag, den 27. Januar wurde von 9.00 Uhr bis 21.00 Uhr in der evangelischen Kirche der Opfer dieser Verbrechen gedacht und an sie erinnert.

Auf Initiative des ökumenischen Arbeitskreises Saarlouis haben sich Schulklassen der unterschiedlichen Schulen in Saarlouis, Einzelpersonen und Gruppierungen diesen Tag gestaltet. Sie verbinden damit die Hoffnung, dass Menschen heute für Antisemitismus, Judenhass und jede Form von Rassismus sensibilisiert werden. Die derzeitigen aktuellen Geschehnisse machen leider deutlich, wie sehr auch in Deutschland immer noch und vermehrt Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und insbesondere Judenhass lebendig sind – und Menschen auch vor Verbrechen gegen jüdische Bürger nicht zurückschrecken. Der Angriff auf die Synagoge in Halle ist ein letzter schlimmer Höhepunkt dieser Entwicklung. Umso wichtiger ist es den Veranstaltern deutlich zu machen, dass die unvorstellbar grausamen Verbrechen des Nationalsozialismus nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Vor allem dürfen die Opfer nicht vergessen werden.

Die Erinnerung und Mahnung wurde an diesem Tag durch unterschiedliche Texte, Musikbeiträge und Bildern in unterschiedlichen Formen zum Ausdruck gebracht. Alle Menschen, die sich der Auseinandersetzung nicht entziehen und das Anliegen unterstützen möchten, waren während des ganzen Tages herzlich eingeladen, die Veranstaltung zu besuchen, um damit der historischen und aktuellen Verantwortung Ausdruck zu verleihen.

Herzlichen Dank an Pfarrer Volker Hassenpflug für die schönen Fotos der Gedenkveranstaltung!

Nachruf

Die Pfarreiengemeinschaft Bous-Ensdorf und das Dekanat Saarlouis trauern um

Pfarrer Heinz Haser

der am 10. Dezember nach langer, schwerer Krankheit sein Leben friedlich in Gottes Hand zurückgegeben hat.

Heinz Haser war seit dem Jahr 2000 Pfarrer in Bous St. Peter und ab 2009 außerdem Pfarrer in Ensdorf St. Marien, bis er aus gesundheitlichen Gründen seinen Dienst in unserer Pfarreiengemeinschaft im Jahre 2018 beenden musste. Von 2004 bis zu seiner Erkrankung war er zusätzlich der erste Dechant des neu gegründeten Dekanates Saarlouis.

In ihm verlieren wir einen leidenschaftlichen Seelsorger. Pastor Haser war mit Leib und Seele Priester. Es war für ihn eine Herzensangelegenheit, Menschen in allen Lebenslagen zu begleiten und sie in ihrem Glauben an Gott zu stärken. Mit seiner liebenswerten und humorvollen Art ist er auf andere zugegangen und konnte damit junge und alte Gemeindemitglieder begeistern. Er hat viele Menschen geprägt. Durch sein Engagement und den Blick für die Bedürfnisse der Menschen vor Ort entstanden Projekte wie der Lebensmittelkorb in Bous oder auch Familienfreizeiten, an die man sich immer noch gerne erinnert. Ein besonderes Anliegen war ihm die Ökumenearbeit. Dank seines Zutuns ist eine lebendige Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirchengemeinde entstanden. Wir sind dankbar für sein Wirken in Bous und Ensdorf sowie im Dekanat und werden ihn sehr vermissen.

Mit seiner Familie fühlen wir uns im Gebet verbunden.

Für die Pfarreiengemeinschaft Bous-Ensdorf:

Pfarrer Dr. Frank KleinjohannUlrike Soranna
PfarrverwalterVorsitzende des Pfarreienrates

Für das Dekanat Saarlouis:

Rolf FriedsamHans-Georg MüllerBruno Steinke
DekanatsreferentGeschäftsführender DechantVorsitzender des Dekanatsrates

Die Pfarreiengemeinschaft Bous-Ensdorf gedenkt seiner und betet für ihn in den Eucharistiefeiern
am Samstag, den 21. Dezember um 18.30 Uhr in St. Peter Bous
und am Sonntag, den 22. Dezember um 9.30 Uhr in St. Marien Ensdorf.

„Libyen ist die Hölle für schwarze Menschen“

Seenotretter Schramm berichtet von den Einsätzen der Sea-Watch im Mittelmeer

Saarlouis – „Sea-Watch 3“, der Name dieses Schiffes steht seit dem Sommer für die privat organisierte  Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer. Dafür sorgte die tagelange mediale Berichterstattung über das Landeverbot für dieses Schiff und die Verhaftung der damaligen Kapitänin Carola Rackete bei der Landung in Lampedusa. Aber was geschieht eigentlich auf diesen Schiffen? Wie geht Rettung von Geflüchteten im Mittelmeer? Lorenz Schramm aus Freiburg war bereits bei fünf Missionen der Sea-Watch dabei. Der 29-jährige Gesundheits- und Krankenpfleger war am 14. November auf Initiative des Willkommensnetzes, der Flüchtlingshilfe im Bistum Trier, in Saarlouis zu Gast um über den Alltag und die Probleme bei den Rettungsaktionen zu berichten. Rund 60 Interessierte waren der Einladung von Caritas und Dekanat gefolgt.

Meist dreieinhalb Wochen dauert eine Mission für die ehrenamtlichen Seenotretter bei Sea-Watch. Aus 20 Leuten besteht eine Crew, darunter auch bezahlte Seeleute, die für die Sicherheit des Schiffes notwendig sind und von den Seefahrtbehörden an Bord verlangt werden. 50 Meter lang ist das Schiff und neun Meter breit. In seinem früheren Leben diente es als Versorgungsschiff für Ölbohrplattformen. „Platz ist für 600 Gäste, dann ist das Boot wirklich mal voll“, erklärt Schramm in Anspielung auf einen fremdenfeindlichen Slogan. „Gäste“ nennt die Besatzung die aus Seenot geretteten Flüchtlinge, die an Bord auf zwei Decks Platz finden. Zur eigentlichen Rettung der Menschen aus ihren nicht seetauglichen Booten hat die Sea-Watch zwei Schnellboote an Bord. Es gibt eine „ganz gut ausgerüstete Krankenstation“, mit der man auch auf medizinische Notfälle vorbereitet ist. So habe man einmal einen Säugling gerettet, der auf einem der völlig überfüllten Gummiboote zur Welt kam. Alltäglich sind bei den Geretteten „Krätze“ wegen der „katastrophalen hygienischen Zustände“ in den „KZ-ähnlichen“ Lagern in Libyen, sagt Schramm. Dazu kommen Kopfschmerzen wegen der regelmäßigen Dehydrierung der Flüchtlinge. Zwei Ärztinnen oder Ärzte sind an Bord, dazu zwei ausgebildete Pflegepersonen, wie er selbst. In der Crew ist jeder zunächst für sein Fachgebiet zuständig, doch darüber hinaus gibt es jede Menge gemeinschaftliche Aufgaben. Die müssen vor jedem Einsatz auch gemeinsam trainiert werden. Da ist einmal das Rettungstraining. „Was können wir dafür tun, dass die Menschen in den Booten ruhig bleiben?“ „Wie bekommen wir sie in unsere Boote?“ „Wie benutzt man die Rettungsanzüge?“ „Wie löschen wir ein Feuer an Bord?“ Das sind wesentliche Trainingsaufgaben. Dazu kommen Übungen, wie man mit Bedrohungen von außen umgehen kann. Ganz vorne steht dabei der Umgang mit der libyschen Küstenwache, die die Retter oft mit Waffengewalt bedrohen.

Die Lage der Flüchtlinge in Libyen und die Rolle der Küstenwache treibt den Seenotretter Schramm besonders an. „Da passieren schlimme Dinge“, sagt er. Die Küstenwache werde von der EU trainiert, Boote zurück zu bringen. Es gebe zahlreiche Belege dafür, dass diese Leute „keine guten Rettungen durchführen.“ Zurück gebracht werden sollen die Flüchtlinge, die fast ausnahmslos schwarze Hautfarbe haben und aus Staaten südlich der Sahara stammen, nach Libyen, wo es einen starken Rassismus gegen diese Menschen gebe, kritisiert Schramm: „Man darf doch niemand an einen Ort bringen, wo systematische Verfolgung droht“. Die Flüchtlingsgefängnisse dort seien völlig überfüllt, Gefangene würden gefoltert, Flüchtlinge, die ihre Schlepper nicht bezahlen können würden gekidnappt um deren Familien noch mehr auszupressen, die Menschen müssten Hungern, es gebe trockene Makkaroni, aber keine Gelegenheit zu kochen, illustriert Schramm die Lage in Libyen. Dabei hätten die Flüchtlinge - mit dem Weg durch die Sahara - bis dorthin schon einen sehr gefährlichen Teil ihrer Flucht hinter sich. „Erste tödliche Grenze zu Europa“ nennt er die Wüste und die hier lauernden Gefahren. „Unfassbar, wie die Menschen dort ihr Leben verlieren: es gehen Autos kaputt und die Flüchtlinge sterben auf ihrem weiteren Weg zu Fuß oder sie geraten sofort in die Hände von Milizen.“ Was die Menschen, die wir retten alles erlebt haben, das reiche für viele Hollywoodfilme. „Aber die Flüchtlinge sind ja nicht weiß, also gibt es diese Filme nicht“, sagt Schramm sarkastisch.

Die Seenotretter wissen von ihren Gästen genau, welche Bedrohungen sie hinter sich haben, vom Hunger und Krieg in ihren Herkunftsländern über die Gefahren unterwegs bis zur Bedrohung auf dem offenen Meer. Das motiviert sie zum Einsatz. Der auch sehr belastend sein kann. Deshalb gibt es nach jeder Mission auch die Möglichkeit mit Fachdiensten diese Belastungen zu bearbeiten, zur Verfügung gestellt etwa von der Erzdiözese München.

Oft werde in Zweifel gezogen, dass die Flüchtlinge in Seenot gewesen seien. Schramm zeigt zu diesem Vorwurf Fotos von völlig überfüllten Booten und benennt einige der Kriterien, die für einen Seenotfall gelten. Dazu gehört etwa, dass es unwahrscheinlich erscheint, dass das Boot sein Ziel erreicht oder es nicht genug Lebensmittel und Wasser bis dahin an Bord hat. Oder, dass die Mittel fehlen, die nötig sind, die Menschen zu retten, wenn das Boot sinkt. „Damit ist jedes Flüchtlingsboot, das den libyschen Strand verlässt in Seenot“, sagt Schramm.

Um die Boote außerhalb einer 24-Meilen-Zone zu entdecken, helfen das Radar der Sea-Watch, oft ein zusätzlichen Flugzeug und vor allem der permanente Ausguck von der Brücke mit dem Fernglas. Sind die Gäste dann erst einmal an Bord, stelle sich die „spannende Frage“ wie die Stimmung unter ihnen ist. Meistens seien die Menschen „völlig platt“, müssten versorgt werden und litten an traumatischen Belastungsstörungen. Deshalb gelte es das Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Doch der Aufbau von Vertrauen sei nicht so ganz leicht, weil viele bereits wüssten, dass es gar nicht so leicht werde nach Europa zu kommen. Schramm, an Bord auch zuständig „um die Stimmung zu checken“, wünscht sich bei allen „vorsichtigen Optimismus“. Große Gefahr könne an Bord entstehen, wenn sich Hoffnungslosigkeit durchsetze. „Leider sorgt die EU dafür, dass wir regelmäßig Momente haben, wo die Hoffnung stirbt“, sagt Schramm. Kritische Bemerkungen auch zu dem - zunächst gut gemeinten – Angebot bei Anlandungsverboten  - aus medizinischen Gründen - Kranke oder Kindern vom Schiff zu lassen. Dann überlegten die Menschen, was sie tun müssen, um dazu zu gehören. Ein wenig stolz ist er auf die Zeit des 17-tägigen Wartens vor der Anlandung in Lampedusa: „Da gab es nur einen kleineren Streit an Bord“. Die Crew versucht die Langeweile für die Gäste an Bord zu vertreiben, so gut es geht in dieser Enge. Es gibt Spiele und Musikinstrumente, auch erste Sprachkurse. Und sie hören den Flüchtlingen zu. Auch das stärkt die Motivation der Helferinnen und Helfer. Etwa wenn sie oft hören müssen „Libyen ist die Hölle für schwarze Menschen“.

Mehr über das Engagement von Sea-Watch im Internet: www.sea-watch.org

(Bistum Trier, red)