Flüchtlinge

26.05.2014

Protest gegen „repressive Flüchtlingspolitik“

Saarlouis – Gegen eine „repressive europäische Flüchtlingspolitik“ protestiert der Dekanatsrat Saarlouis. In einem Beschluss, der unter anderem der saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und Innenministerin Monika Bachmann zugestellt wurde, kritisieren die Mitglieder der Dekanatsvertretung der Katholiken die europäische Flüchtlingspolitik basiere auf „Elementen der Abwehr und Abschreckung“. Das führe dazu, dass „nur wenige Flüchtlinge aus Syrien eine Aufenthaltserlaubnis in Deutschland erhalten“.

Der Beitrag der Bundesrepublik Deutschland und damit auch des Saarlandes zur Lösung der humanitären Notlage der syrischen Bevölkerung sei „sehr bescheiden“, heißt es im Ratsbeschluss. Die Hauptlast der circa 2,3 Millionen Flüchtlinge trügen die unmittelbaren Nachbarländer Syriens, obwohl diese allesamt wirtschaftlich schlechter dastünden als Deutschland. In einem persönlichen Kontakt mit Mitgliedern der assyrischen Gemeinde in Saarlouis habe man erfahren, dass eine Aufnahme vieler Familienangehöriger sogar dann scheitere, wenn garantiert werden könne, dass für Unterkunft, Lebenshaltung und mögliche Krankheitskosten gesorgt ist, heißt es in dem Protest.

Der Dekanatsrat, an der Spitze Vorsitzender Bruno Steinke und die stellvertretende Vorsitzende Rita Ney sowie Dechant Heinz Haser und Dekanatsreferent Rolf Friedsam, fordert die Politik dazu auf, das Kontingent für syrische Flüchtlinge auszuweiten. Von der saarländischen Landesregierung erwarte man eine „zügige Festlegung von Bestimmungen“ die eine Einreise ins Saarland ermögliche. „Mit großer Sorge“ registriere der Dekanatsrat, dass Flüchtlinge in die EU-Länder zurückgeführt werden, in denen sie die EU betreten haben, obwohl diese Länder häufig kein ordnungsgemäßes Asylverfahren garantieren können, „das unseren Normen entspricht“. Das sei von einigen Ländergerichten für Italien festgestellt worden. Dennoch würden aus dem Saarland weiter Menschen nach Italien abgeschoben „in teilweise menschenunwürdige Situationen“. Man sehe die Politiker in der Pflicht, gegenüber diesen Staaten auf den gleichen Standards der Asylverfahren wie in Deutschland zu bestehen oder den Flüchtlingen in Deutschland ein Aufenthaltsrecht einzuräumen.

In der Mitte der Bevölkerung gebe es Bereitschaft zur Hilfe und in einzelnen Gemeinden des Dekanates auch bereits konkrete Hilfeleistungen. „Vielleicht besteht die große Unterstützung einfach nur darin, den angekommenen, vielfach traumatisierten Menschen freundlich zu begegnen und ihnen zu zeigen, dass sie willkommen sind. Im Dekanat werden wir uns weiterhin dafür einsetzen, dass Flüchtlinge wohlwollend aufgenommen, unterstützt und integriert werden“, erklärt der Dekanatsrat Saarlouis.

Die Landesregierung wird aufgefordert, für eine entsprechende Willkommenskultur im Land zu werben, „in der jeder Flüchtling auch als eine Chance für unser Land angesehen wird“.

Weitere Information: Dekanatsrat Saarlouis, Telefon 06831-76995510 - Die Erklärung im Wortlaut (PDF)

19.11.2013

Flüchtlinge und Asylsuchende in unseren Gemeinden

Erklärung des Dekanatsrates Saarlouis

  1. Anlässlich der Bootskatastrophe von Lampedusa vom 3. Oktober 2013 wurden wir im besonderen Maße aufmerksam auf die vielen Katastrophen, die im Mittelmeer durch die europäische Abschottungspolitik geschehen. Papst Franziskus hatte bereits am 8. Juli bei seinem Besuch auf der Insel darauf hingewiesen, dass dies ein großes Unrecht ist, das wir mit Scham und Tränen erkennen müssen. Hierbei betete er: „Herr, in diesem Gottesdienst, der ein Bußgottesdienst ist, bitten wir um Verzeihung für die Gleichgültigkeit so vielen Brüdern und Schwestern gegenüber, wir bitten um Verzeihung für die, die es sich bequem gemacht haben, die sich im eigenen Wohl eingeschlossen haben und das Herz betäubt haben, wir bitten dich, Vater, um Verzeihung für diejenigen, die mit ihren Entscheidungen auf höchster Ebene Situationen wie dieses Drama hier geschaffen haben. Herr, verzeihe uns!“
  2. Der Dekanatsrat Saarlouis hat sich mit der Situation von Flüchtlingen und Asylbewerbern im Saarland und der Möglichkeit von Pfarrgemeinden, diese zu unterstützen, beschäftigt. Konkret wurde das Beispiel eines Angebotes der Kirchengemeinde St. Josef in Saarbrücken Malstatt vorgestellt, die im vergangenen Jahr 3 jugendlichen Asylbewerbern ein Kirchenasyl über mehrere Monate gewährt hatten.
    Die Mitglieder des Dekanatsrates waren betroffen, unter welch dramatischen Umständen minderjährige Flüchtlinge nach Deutschland kommen, und über die menschenunwürdigen Bedingungen, denen sie in ihrem Asylverfahren ausgesetzt werden. Zum Beispiel werden auch minderjährige Flüchtlinge im Saarland weiter nach Italien abgeschoben, obwohl Gerichte in anderen Bundesländern die Asylverfahren dort nicht als rechtmäßig anerkannt haben (Unterkunft unter freiem Himmel, einzelne Sanitäranlagen für hunderte Flüchtlinge etc.).
  3. In einer Erklärung des päpstlichen Rates „Cor unum“, die von den Deutschen Bischöfen veröffentlicht wurde1, heißt es:
    „ Der erste Ort, an dem die Kirche den Flüchtlingen ihre Hilfsbereitschaft zeigen muss, ist die Pfarrgemeinde; sie hat die Aufgabe, die Gemeindeglieder für die Not der Flüchtlinge zu sensibilisieren, indem sie sie ermahnt, Fremde freundlich aufzunehmen, wie Jesus es lehrte: „…ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25, 35). Die Gemeinde sollte die Neuankömmlinge nicht als eine Bedrohung ihrer kulturellen Identität und ihres Wohlstands betrachten, sondern als Anruf, gemeinsam mit diesen neuen Brüdern und Schwestern, die selbst reich an bestimmten Gaben sind, den Weg eines Volkes zu gehen, das sich weiter entwickeln und seine Einheit in der Verschiedenheit feiern kann.“
  4. Daher bittet der Dekanatsrat im Dekanat Saarlouis die Pfarrgemeinden sich mit der Situation von Flüchtlingen in den Pfarrgemeinden und im Saarland zu beschäftigen, zumal auf Beschluss der Landesregierung und der saarländischen Landkreise Flüchtlinge künftig dezentral in den Städten und Gemeinden des Saarlandes eine Heimat finden können.
    Bei der Beurteilung dieser Situation sollten christliche und soziale Gesichtspunkte berücksichtigt werden, wie sie oben bereits zitiert wurden.

Schließlich empfehlen wir folgende Handlungsschritte:

  1. Die verschiedenen Gremien und Gruppierungen der Pfarrgemeinden sollten sich mit dem Thema „Situation von Flüchtlingen und Asylbewerbern und ihre Unterstützung“ beschäftigen. Eventuell kann ein Sonntagsgottesdienst zu diesem Thema gestaltet werden.

  2. Wenn es einen Ausschuss oder Einzelpersonen in den Pfarrgemeinden gibt, die sich sozial-caritativ engagieren, könnten sie überlegen, welche praktischen Hilfeleistungen nötig sind und wie Kontakt geknüpft werden kann. Informationen über den Aufenthalt von Flüchtlingen in der eigenen Pfarrgemeinde können möglicherweise beim Caritasverband erfragt werden.

  3. In den Pfarrgemeinden soll geprüft werden, wie eine finanzielle Unterstützung von Flüchtlingen und Asylbewerbern ermöglicht werden kann. Wir bitten das Bistum Trier einen Hilfsfond zur Unterstützung von Asylbewerbern zu bilden.

  4. Wir bitten die Pfarrgemeinden, sich über die Möglichkeiten eines Kirchenasyls zu informieren und zu prüfen, ob möglicherweise ein solches Angebot gemacht werden könnte. Kirchenasylgemeinden treten für Menschen ein, denen durch eine Abschiebung Gefahren für Leib, Leben und Freiheit drohen, oder für die mit einer Abschiebung nicht hinnehmbare soziale, inhumane Härten verbunden sind. „Kirchenasyl“ ist der letzte legitime Versuch einer Gemeinde, Flüchtlinge durch zeitlich befristete Schutzgewährung beizustehen, um auf eine erneute, sorgfältige Überprüfung ihres staatlich garantierten Schutzanspruches hinzuwirken.

Bei der Umsetzung dieser Empfehlungen kann der Migrationsdienst des Caritasverbandes Saarlouis eine sehr gute Hilfe anbieten. Kontakt: Frau Annemarie Rau und Frau Marlies Theobald, Tel. 06831/9399-33 oder Herr Dieter Naegele, Tel. 06831/9399-51. Auch das Dekanatsbüro kann zu diesem Thema jederzeit angefragt werden.

Der Dekanatsrat Saarlouis wird auch weiterhin die Entwicklungen zum Thema "Flüchtlinge und Asylsuchende in unseren Gemeinden" im Auge behalten und die Pfarrgemeinden in ihrem Bemühen im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützen.

Saarlouis, den 19. November 2013

Bruno Steinke, Vorsitzender

Rita Ney, stellvertretende Vorsitzende


1 Päpstlicher Rat „Cor unum“, Flüchtlinge - eine Herausforderung zur Solidarität, 2. Oktober 1992.